Nieder-Wiesen – Ein historisches und kulturelles Juwel in der Rheinhessischen Schweiz
Nieder-Wiesen ist ein charmantes Dorf, das von drei Seiten von Wald umgeben ist und damit in Rheinhessen eine Ausnahme darstellt. Mit etwa 600 Einwohnern liegt der Ort klimatisch und landschaftlich im Übergangsbereich der nordpfälzischen Ausläufer des Donnersberggebiets. Die historische Grenze zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Bayern verläuft nur 500 Meter südlich des Dorfes, und am Wiesbach sind noch heute alte Grenzsteine zu finden.
Geschichte und Sehenswürdigkeiten von Nieder-Wiesen
Die besonders schöne Lage des Dorfes im Wiesbachtal, heute als „Rheinhessische Schweiz“ bekannt, war bereits den Kelten ein geschätzter Ort. Auf dem Schlossberg errichteten sie möglicherweise eine Kultstätte oder gar eine Burg.
Zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten Nieder-Wiesens gehört die barocke Evangelische Kirche, die 1723 als lutherische Residenzkirche der Herren von Hunolstein erbaut wurde. Die Kirche beherbergt die älteste und kleinste Stumm-Orgel in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (ca. 1725). In der Kirche befindet sich auch das Grab von Pfarrer Johann Wilhelm Fresenius (1727), dessen Familie später international bekannte Unternehmen gründete. Besonders erwähnenswert ist die Hunolsteiner Grablege, deren Eingangsportal mit dem Wappen der Familie und einem biblischen Wappenspruch an die Geschichte der Kirche erinnert.
Die Evangelische Kirchengemeinde und ihre Geschichte
Die Evangelische Kirchengemeinde Nieder-Wiesen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits im 16. Jahrhundert wurde die lutherische Reformation durch die damaligen Ortsherren, die Junker von Morschheim, eingeführt. Auch nach dem Übergang in den Besitz der Familie Hunolstein im Jahr 1700 blieb Nieder-Wiesen lutherisch. Seit der Union von lutherischen und reformierten Bekenntnissen im Jahr 1822 gehören die Gemeinden in Rheinhessen zur evangelisch-unierten Kirche.
Erinnerung an die jüdische Gemeinde
In Nieder-Wiesen lebte bis zur Verfolgung und Vernichtung durch die Nationalsozialisten eine bemerkenswert große jüdische Gemeinde. Die Synagoge wurde in der Reichspogromnacht 1938 zerstört, und heute erinnern eine Gedenktafel und ein Altarparament des Künstlers Prof. Thomas Duttenhoefer an diese dunkle Zeit. Der jüdische Friedhof, ca. 400 Meter südöstlich des Ortsgebietes, ist ein weiterer Ort des Gedenkens. Weitere Informationen finden Sie auf den folgenden Seiten: Synagoge Nieder-Wiesen und Jüdischer Friedhof Nieder-Wiesen.