{"id":722,"date":"2026-01-11T17:18:57","date_gmt":"2026-01-11T16:18:57","guid":{"rendered":"https:\/\/evkiweck.de\/?p=722"},"modified":"2026-01-14T19:04:31","modified_gmt":"2026-01-14T18:04:31","slug":"bauwerk-die-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/evkiweck.de\/index.php\/2026\/01\/11\/bauwerk-die-kirche\/","title":{"rendered":"Bauwerk &#8211; Die Kirche"},"content":{"rendered":"\n<p>Die erste Kirche wurde hier vermutlich schon gebaut, kurz nachdem sich die ersten Siedler&nbsp; im Bachtal niedergelassen hatten. Es wird wohl eine einfache aus Holz konstruierte&nbsp; Kirche gewesen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der steinerne Turm unserer heutigen Martins-Kirche gibt durch M\u00f6rtelreste von vormals angebauten Ziegeld\u00e4chern Zeugnis davon, dass es sich beim jetzigen Anbau schon um das dritte Kirchenschiff handelt. Die vorletzte Kirche, \u00fcber deren Entstehungszeit wir keine Kenntnis haben, die aber in der Reformationszeit schon gestanden haben muss, wurde im Jahr 1618 im Innern gr\u00fcndlich renoviert.<\/p>\n\n\n\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts&nbsp; war diese Kirche bauf\u00e4llig und angesichts \u201eder starck angewachsene(n) evangelische(n) Gemeinde\u201c zu klein geworden. \u00dcber die Missst\u00e4nde teilt der Schulthei\u00df in einem Bericht vom 29. Januar 1771 mit: \u201eSo m\u00fcssen wir uns nunmehro h\u00f6chlich beklagen, wenn unsere Kirche unter solchen erb\u00e4rmlichen Umst\u00e4nden sich befindet, da\u00df bey entstehendem Regenwetter unser Prediger nicht mehr trocken auf der Cantzel bleiben kann\u2026\u201c In der zweiten H\u00e4lfte des Jahres 1782 wurde die verfallene Kirche abgebrochen und mit der Errichtung eines Neubaus begonnen, der schon ein Jahr sp\u00e4ter vollendet war.<\/p>\n\n\n\n<p>Wegen des noch vorhandenen Beinhauses musste der Architekt Kunz das neue Kirchenschiff geringf\u00fcgig aus der alten L\u00e4ngsachse r\u00fccken. \u00dcber diese neuerliche Bauma\u00dfnahme sind im Gemeindearchiv zahlreiche Unterlagen erhalten, so dass die Ereignisse aus der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts etwas leichter nach zu vollziehen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor jedoch das Kirchenschiff in Angriff genommen wurde, begann man 1775 den Turm zu sanieren und zu ver\u00e4ndern. Wir m\u00fcssen annehmen, dass er bis hierhin ein Satteldach trug, das durch zwei Bischhofshaubengiebel begrenzt war. Nun wurde das alte, schadhafte Dach entfernt, das Mauerwerk um einige Steinschichten erh\u00f6ht und das Bauwerk durch eine barocke, mit Schiefern eingedeckte Haube bekr\u00f6nt. Den Abschluss f\u00fcr den Turm lieferte der Kreuznacher Spenglermeister Pitzger zwei Jahre nach Baubeginn mit einem Knopf und Hahn auf dem Kirchturm.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann folgte wenige Jahre sp\u00e4ter die so sehr gew\u00fcnschte Erneuerung des Kirchenschiffs. Pfarrer Laukhard vermerkt im Kirchenbuch, dass der Gottesdienst am 2. Februar 1783 \u201enoch in der alten Kirche gehalten wurde, den 3 t. etc. wurde die Kirche abgeri\u00dfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser so gewaltigen Bauma\u00dfnahme&nbsp; konnten viele einheimische Handwerker und Fuhrleute partizipieren. Aber auch Fuhrleute aus Nachbargemeinden wurden besch\u00e4ftigt.: \u201eDen 14. May 1783 sind die Eckelsheimer zu Gaulsheim gewesen und haben Bauholz gelangt\u201c. Der Wirth Carl Vogt stellte der Gemeinde in Rechnung, \u201ewa\u00df die Nacker und Eckelsheimer Fuhrleut bey mir verz\u00e4rt haben, da sie Hol\u00df zu dem Kirchen Bau gefahren haben: Erstlich zwei Kalbs Pratten von 23\u00bd Pfund, jettes Pfund 14 Kreuzer und Zugeher Sallat dabey und drey Brott jettes 14 Kreuzer, zw\u00f6lf Ma\u00df Wein, die Ma\u00df 16 Kreuzer, ferner haben die Steinbockenheimer bey dem Hol\u00df fahren verz\u00e4rt ein Kalbs Pratten von 15 Pfund und Zugeher Sallat dabey, zwey Brott und zehn Ma\u00df Wein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/evkiweck.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/wen380.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-156\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich wurden, um Kosten und M\u00fche zu sparen, die Bausteine der abgetragenen Kirche beim Neubau verwendet. So sind an der heutigen Kirche Steine erkennbar, welche die Jahreszahlen 1576, 1624,1666 und 1685 tragen. Ein Quader tr\u00e4gt die Inschrift: ANNO 1576 DEN ERSTE TAG MAY WAR ES NIT FEIN DA ERFRON KORN UND WEIN.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der neben der Baustelle liegenden Ziegelei lieferte \u201eZiegler Cornelius Backsteine an hiesigen Kirchturm\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWegen der abgebrochenen Kirche\u201c wurden die Gottesdienste, wie Pfarrer Lauckhardt gelegentlich bei Tauf- oder Hochzeitseintragungen im Kirchenbuch vermerkt, im Versammlungs-Saal (zuweilen auch Bet Saal genannt) des herrschaftlichen Hauses, im hiesigen Rath-Hau\u00df oder in der Schule gehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>In den 1840er Jahren wurden Pl\u00e4ne und Kostenermittlungen zur Wiederherstellung der Kirche ausgearbeitet. Der Kostenanschlag belief sich auf 2790 Gulden. Dabei sollten besonders die Fenster ver\u00e4ndert werden: Der Mittelsturz der zehn Kirchenfenster, der die Fenster in zwei \u00d6ffnungen teilt, sollte entfernt werden, so dass eine lichte H\u00f6he von 17 Fu\u00df entstanden w\u00e4re, deren oberer Abschluss mit einem Kreisbogen \u00fcberw\u00f6lbt werden sollte. Nach dem noch vorliegenden Plan sollte im Innern der Kirche an beiden L\u00e4ngsseiten von der Orgelb\u00fchne bis zum Chor Emporen eingerichtet werden, wobei die auf einer Seite vorhandene&nbsp; Empore abgebaut und erneuert werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wegen der eingetretenen politischen Ereignisse beschloss der Gemeinderat jedoch am 5. April 1848, \u201edie Herstellung der Kirche wie solche projectiert worden, g\u00e4nzlich zu sistieren\u201c (einzustellen), und nur die Orgel neu zu stimmen und sonst unentbehrliche Reparaturen vorzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur wenige Jahre sp\u00e4ter, n\u00e4mlich im Jahr 1852, wurden wieder, diesmal jedoch bescheidenere Reparaturarbeiten vorgesehen. Die Erneuerung der Kirche bezog sich haupts\u00e4chlich auf den Anstrich der Holzverkleidungen mit \u00d6lfarbe.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach wurden in gewissen Zeitabst\u00e4nden immer wieder laufende Unterhaltungs- und Ausbesserungsarbeiten am Gotteshaus ausgef\u00fchrt, die sich haupts\u00e4chlich auf Turm und Dach bezogen. Es dauerte jedoch viele Jahrzehnte, bis wieder eine gr\u00f6\u00dfere Reparatur in Angriff genommen werden konnte. Nach einer baupolizeilichen Schlie\u00dfung der Kirche, wurde um die Jahreswende 1963\/64 mit der Renovierung begonnen und die Arbeiten innerhalb neun Monaten fertiggestellt. Dabei wurde die alte Stummorgel entsorgt, die h\u00f6lzerne Empore entfernt, die Fenster erneuert und eine Warmluftheizung installiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Altar<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"300\" src=\"https:\/\/evkiweck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-7.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-718\" srcset=\"https:\/\/evkiweck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-7.png 400w, https:\/\/evkiweck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-7-300x225.png 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Innern \u00f6ffnet sich der Chor mit einem abgetreppten Triumphbogen mit seinen Polsterkapitellen zum angebauten Kirchenschiff. Der Chor hat Gratgew\u00f6lbe \u00fcber Fratzenkonsolen und an der Nordseite des Apsisbogen hat der Steinmetz das Relief eines lauschenden Engels eingemei\u00dfelt. In diesem Chor wird ein Weihwasserbecken aus der Zeit um 1520 verwahrt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"225\" height=\"300\" src=\"https:\/\/evkiweck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-8.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-719\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Bei ihrer Renovierung im Jahre 1618 erhielt die Kirche eine neue Kanzel und wurde ausgemalt. Das geht aus einem Brief hervor, den der Wendelsheimer Schulthei\u00df Johannes Wei\u00dfkopf an den Rheingr\u00e4flichen Registrator Wolfgang Sohn schreibt:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNuhn habe ich ihme (dem Wei\u00dfbinder) angezeigt, al\u00df hernach volget, wie er sie au\u00dfstreichen soll. Erstlich das Geschr\u00e4nk am Kor mit griner Farbe al\u00df die Kanzel angestrichen worden, und das Kohr sauber wei\u00dfen, mit Sprichen aus der Biebell beneben anmalen, sampt anderem Laubwerk mehr. Die Still dorinnen ebenme\u00dfig mit Farb anstreichen, die gantze Borkirch ringesterumb grin, die Posten under der Borkierchen sauber gelb gefirnist, das Gebelk aber sauber gewei\u00dft, mit Farb und Laubwerk durchstrichen, die gantze Kirch inwennig sauber gewei\u00dft, sodan auch mit Sprichen au\u00df g\u00f6ttlicher Schrift mit Farb anzustreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von dieser Innenausstattung ist jedoch nur wenig erhalten, da die Kirche mehrmals wegen Bauf\u00e4lligkeit renoviert werden musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge ihrer Renovierung 1963\/64 wurde von der Orgelbaufirma Ott in G\u00f6ttingen eine neue Orgel mit 16 Register geliefert. Sie wurde mit dem Prospekt der alten Stumm-Orgel verkleidet und auf einer neuen, aus Beton gegossenen Empore, installiert. Zur Abgrenzung der Orgelempore zum Kirchenschiff wurden von dem Wormser Kunstmaler-Ehepaar Pallasch zehn Bildtafeln gestaltet die sich mit Themen aus der Bergpredigt befassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein von Gustel Stein in Mainz entworfenes und von der Firma M\u00fcnch in Gro\u00df-Umstadt gefertigtes Glasfenster ziert den Chor.<\/p>\n\n\n\n<p>Kanzel, Taufbecken und Altar wurden im Zuge der Renovierung in den 1960er Jahren z.T. durch die damalige Jugendgruppe neu gestaltet (Anstrich, Mosaike). Die Goldverzierung der Kanzel wurde erst sp\u00e4ter hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Orgel<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"225\" height=\"300\" src=\"https:\/\/evkiweck.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-9.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-720\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>In der 1782 erneuerten Kirche soll Stumm eine Barockorgel gebaut haben. Genaue Quellenangaben gibt es nicht. Der Orgelprospekt ist das Einzige, was von der urspr\u00fcnglichen Orgel heute noch erhalten ist. 1928 setzte F\u00f6rster und Nikolaus ein neues Werk in das barocke Geh\u00e4use ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Orgel steht in der Mitte der Empore, der Spieltisch an der Seite. Das heutige Werk ist ein Neubau der Firma Ott (G\u00f6ttingen) aus dem Jahre 1973. Die Orgel hat 16 Register, verteilt auf zwei Manuale und das Pedal.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Glocken<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Turm der Martins-Kirche beherbergt drei Glocken. Die \u00e4lteste und gr\u00f6\u00dfte Glocke stammt aus dem Jahr 1699 und wurde von Johannes Schneidewind in Frankfurt gegossen. Sie ist ohne Krone 85 cm hoch, hat einen Durchmesser von 101 cm und die Tonlage \u201efis\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Aufstockungsarbeiten am Kirchturms im Jahr 1775 ist eine Glocke in die Gie\u00dferei nach Worms transportiert worden um sie dort umgie\u00dfen zu lassen. Der Grund f\u00fcr diese Ma\u00dfnahme ist nicht \u00fcberliefert, es k\u00f6nnte aber sein, dass sie bei den Bauarbeiten besch\u00e4digt wurde. Dem Peter Hahn, der f\u00fcr das L\u00e4uten der Rathausglocke zust\u00e4ndig war, ist im selben Jahr Lohn bezahlt worden, \u201ef\u00fcr das l\u00e4uten in die Kirche, als die Kirchenglocke zersprungen\u201c. Die Inschrift der neu gegossenen Glocke lautet: \u201eGo\u00df mich Georg Friedrich Schrader in Worms vor die Gemeinde Wendelsheim anno 1776.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Glocke ist dann im 20. Jh. der Waffenschmiede des Weltkriegs zum Opfer gefallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem zweiten Weltkrieg wurden zwei neue Glocken bei der Glockengie\u00dferei Rincker in Sinn in Auftrag gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einweihung der neuen Glocken fand am 28. September 1952 mit einem gro\u00dfen Umzug durch die Ortsstra\u00dfen, beginnend in der R\u00fcbenm\u00fchle, mit reger Beteiligung der Wendelsheimer Vereine und der B\u00fcrgerschaft statt. B\u00fcrger erinnern sich noch, dass die Glocken mit Seilen \u00fcber die gro\u00dfe Treppe vor dem Kirchenportal zur Kirche transportiert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Glocke 1 \u2013 kleine Glocke \u2013 Schlagton h\u2018 \u2013 gegossen 1952 bei Rincker in Sinn.<br>Inschrift: Christus spricht: Komm und folge mir nach, ich rufe die Jugend<br>Glockenname: Taufglocke<\/p>\n\n\n\n<p>Glocke 2 \u2013 mittlere Glocke \u2013 Schlagton a\u2018 \u2013 gegossen 1952 bei Rincker in Sinn.<br>Inschrift: Christus spricht: Wer an mich glaubt, wird leben, obgleich er st\u00fcrbe.<br>Zum Gedenken der Gefallenen und der Toten.<br>Glockenname: Ewigkeitsglocke<\/p>\n\n\n\n<p>Glocke 3 \u2013 gro\u00dfe Glocke \u2013 Schlagton fis\u2018 \u2013 gegossen 1699 von Johannes Schneidewind, Frankfurt am Main.<br>Inschrift: (auf der Glocke nicht vorhanden)<br>Amen, das ist: es werde wahr. St\u00e4rk unsern Glauben immerdar.<br>Glockenname: Glaubensglocke<\/p>\n\n\n\n<p><em>Alle Texte \u00fcber die Kirche sind in Zusammenarbeit und mit Texten von J. Schwind enstanden.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die erste Kirche wurde hier vermutlich schon gebaut, kurz nachdem sich die ersten Siedler&nbsp; im Bachtal niedergelassen hatten. 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